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Die Penners

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Die Zeit von 1918 in Russland bis Deutschland 1948

Peter Richert wird nach Orthodoxem Kalender am 30.Mai 1918 in Neu-Alexandrowka, Russland
geboren.
Er ist der Sohn von  Abram & Maria Richert, geb. Friesen und das zweitjüngste Kind
unter 9 Geschwistern. Peter Richert wächst in Neu-Alexandrowka auf, geht dort 5 Jahre auf die Dorfschule und gehört, wie alle in diesem Dorf, der Kirche der Mennoniten  Brüdergemeinde an.

Seine Eltern bewirtschaften wie viele andere Familien, einen Bauernhof. Der Vater ist nebenher noch Dorfschullehrer. Nach der Schule arbeitet Peter Richert in der Landwirtschaft mit, zuerst bei seinen Eltern, später in den Kolchosen der staatseigenen Landwirtschaft, denn ungefähr seit 1928 gibt
es nach der Oktoberrevolution (1918) keinen großen privaten Landbesitz mehr. Jede Familie hat aber nach wie vor ihren eigenen Bauernhof mit etwas Land, was sie selber bewirtschaften dürfen und dessen Ertrag sie verbrauchen oder verkaufen können.

Im Jahre 1921 stirbt Peter Richert`s
Vater Abram an Unterleibstyphus.
In der Kolchose von Neu-Alexandrowka trifft er im Jahre 1936 seine zukünftige Frau Tina Penner. Zum ersten mal sehen sich die beiden allerdings nicht. Früher  musste Tina Penner als junges Mädchen oft nach Neu-Alexandrowka, das ca.100 km von Neu-Halbstadt entfernt ist, ihrer kranken Schwester helfen. Dort lernte sie schon sehr früh ihren späteren Ehemann Peter Richert kennen.

Schülerinnen und Schüler mit
ihren Lehrern in der Dorfschule
von Neu-Alexandrowka 1935

Tina Penner wird am 28.03.1920 in Rosenort, Kreis Kronau, Russland geboren.
Sie ist die Tochter von Johann & Elisabeth Penner, geb. Dürksen und das zweitjüngste
Kind unter 6 Geschwistern.

Ihre Vorfahren und Familie gehören ebenfalls  zur Mennoniten Brüdergemeinde.
6 Jahre lebt sie mit ihrer Familie weiter in Rosenort, bevor alle nach Neu-Halbstadt umziehen. Im Umkreis von Neu-Halbstadt gibt es rund 17 Dörfer, die alle dieser Glaubensgemeinschaft angehören.
Der Vater übt nebenbei noch das Amt eines Predigers aus, weshalb er nach 1928 immer stärker verfolgt wird und als Prediger nicht mehr arbeiten darf. Tina Penner wird nach eigenen Angaben mit Waffengewalt von der Schule vertrieben. Für sie ist nach 3 Jahren Schulbesuch Schluss. Danach arbeitet sie auf dem Bauernhof, später in den Kolchosen.

Am 8.April 1931 wird Tinas Vater verhaftet
und ins Gefängnis zuerst nach Kronau, dann
nach Cherson gebracht. Dort wird ihm im
Winter 1932 zur Flucht verholfen. Er kommt
zu seiner Familie nach Neu-Halbstadt. Wegen weiteren Verfolgungen zieht er zu seiner Schwester Liese nach Memrik, Russland.
Tina Penner zieht mit ihrer Familie
(3 Geschwister & Mutter) nach. Sie wohnen bis 1933 in Alexanderhof, was in der nähe von Memrik liegt. Danach ziehen wieder alle zurück nach Neu-Alexandrowka.
Im gleichen Jahr, am 03.September 1933, stirbt Tina Penner`s Vater Johann ebenfalls an Unterleibstyphus.

Im Jahre1936 trifft sie Peter Richert  in der Kolchose von Neu-Alexandrowka wieder.
Aber erst nach fast 4 Jahren heiraten sie am
07.Januar 1940 ebenfalls in Neu-Alexandrowka.


Im gleichen Jahr, am 19.10.1940, wird ihr Sohn Heinrich dort geboren. Danach arbeitet
Tina Richert in der Kolchose weiter.

Als in den frühen Morgenstunden des 22. Juni 1941 Hitlers Überfall auf die Sowjetunion beginnt, rückt die Deutsche Wehrmacht auch in die Ukraine ein. Neu-Alexandrowka wird mit dem Frontverlauf übernommen. Peter Richert bekommt nach Hitlers Einmarsch die “Deutsche Einbürgerungsurkunde”, welche ihm erst 1944 als eine Abschrift ausgehändigt wird. Seine Familie wird auch eingedeutscht.  Bis 1943 wohnen alle weiter in Neu-Alexandrowka. Dann werden sie von den Deutschen nach Deutschendorf, Kreis Kronau, umgesiedelt.

Im  gleichen Jahr, 1943, ziehen alle nach Prednjprowsk (?) weiter, wo Peter Richert als Dolmetscher für die Deutsche Wehrmacht arbeitet. Im November 1943 flüchtet zuerst Tina Richert´s Mutter Elisabeth Penner mit vielen Bekannten aus Russland.
Peter & Tina Richert begeben sich am 24.01.1944 mit ihrem Sohn Heinrich und anderen Dorfbewohnern auf die große Reise in den Warthegau/Polen, wo sie am 18.05.1944 ankommen.
Ihre Tochter Liese wird unterwegs auf der Flucht am 01.02.1944 in Tokarewka (?), Alexanderstadt Nikolajew, Ukraine/R. geboren.

Über Rumänien, Ungarn und Polen geht die Flucht danach weiter. Einen längeren Aufenthalt haben sie in Wreschen / Polen im Dorf Merzen.
Dort wird Peter Richert am 15.06.1944 als Soldat der Wehrmacht eingezogen und hat seinen ersten Einsatz in Pikowitz bei Prag, in der damaligenTschechoslowakei.

In Feldkirch, Kreis Wollstein / Polen kommen
Tina Richert mit Familie zu einem späteren
Zeitpunkt an.

Peter Richert ist zu diesem Zeitpunkt schon beim Militär.

Auf der Flucht in Polen, ca.1944
Tina Richert mit Sohn Heinrich & Tochter Liese

Im Januar 1945 wird er in Belgien durch Granatsplitter an beiden Beinen schwer verletzt. Er kommt für ca.3 Wochen ins belgische Kriegslazarett.
Dann wird er jeweils für 2-3 Wochen in die Krankenhäuser von Bensberg bei Köln, Bad Mergentheim und Stuttgart verlegt.
Danach kommt er für lange Zeit ins Krankenhaus nach Göppingen.

Für Tina Richert und Familie geht die Flucht ab 20.01.1945 von Polen weiter über Berlin, Hamburg bis nach Dehnsen bei Amelinghausen, Kreis Lüneburg.
Dort kommen sie am 24.02.1945 an. Sie arbeitet wieder auf einem Bauernhof. Ihr Sohn Heinrich geht ab 1946 in die Schule von Amelinghausen.

*

Heinrich Richert mit seiner Schulklasse
in Amelinghausen bei Lüneburg, ca. 1947

Keiner von der Familie weiß, ob er überhaupt noch lebt. Eine lange Zeit der Ungewissheit und des Suchens beginnt. Am 6.10.1947 trifft er nach über
3 Jahren durch den Suchdienst von Kanada,
MCC, ( Mennonite Central Committee)
in Amelinghausen seine Familie wieder.

Da die Angst nach dem Krieg immer noch sehr groß ist, zurück nach Russland deportiert zu werden, entschließen sie sich nach Paraguay auszuwandern.

Im Mai 1945 ist der Krieg vorbei und verloren. Im Krankenhaus von Göppingen bleibt Peter Richert auch über das Kriegsende hinaus als Kriegsgefangener liegen.

Am 30. März 1948 gehen alle ins Auffanglager nach Gronau, um sich auf die Reise nach Paraguay vorzubereiten.
Heinrich Richert geht dort wahrscheinlich bis zur Abreise auf die Wilhelmschule.

Mennonitische Flüchtlinge im MCC-Lager Gronau
Im Lager Gronau waren zeitweilig mehrere Hundert mennonitische Kriegsflüchtlinge gleichzeitig untergebracht. Sie stammten
entweder direkt aus den ehemaligen russlanddeutschen Mennoniten-Kolonien am Schwarzen Meer oder aus den mennonitischen Altsiedlungsgebieten in Westpreußen. Dort hatten sich die meisten ihrer Vorfahren im 16. und 17. Jahrhundert angesiedelt.
Diejenigen, welche aus den ehemaligen Mennoniten-Kolonien Russlands stammten, waren ab 1943 mit den abziehenden deutschen Truppen aus der Sowjetunion nach Westen geflohen. Nach einem vorübergehenden Aufenthalt im so genannten „Reichsgau Wartheland“ (Warthegau) flohen die russlanddeutschen Kriegsflüchtlinge vor der sowjetischen Geheimpolizei weiter in die westlichen Besatzungszonen. Dort nahm sich unter dem Schutz der Westalliierten das Mennonitische Zentralkomitee ihrer an.
Im MCC-Sammellager Gronau wurden die russlanddeutschen westpreußischen Mennoniten-Flüchtlinge versorgt und auf eine
Ausreise nach Kanada, Paraguay oder Uruguay vorbereitet. Nur wenige Mennoniten verblieben schließlich in Westdeutschland,
wo sie in den 1950er Jahren jedoch damit begannen, erste eigene Gemeinden zu gründen.

Nach drei oder vier Tagen im Hafen werden viele Flüchtlinge durch die schlechten Hygienischen Zustände krank.
Nach sechseinhalb Tagen verlassen sie die Kapverdischen Inseln. Nach einigen diversen Schwierigkeiten geben die Maschinen am 9. Juni morgens früh endgültig ihren Geist auf und das Schiff treibt vor sich hin. Nachdem sie eine Notfunkanlage benutzen, bekommen sie Antwort von einem Schiff mit dem Namen John Biscoy. Dies geschieht am 10. Juni. Die Leute sind überglücklich.

Am 16. Mai 1948 gehen sie in Bremerhaven an Deck
der Charlton Monarch. Die Überfahrt wird wieder vom MCC organisiert. Es wird eine kurze Reise, die nur bis Rotterdam geht, wo wegen Maschinenproblemen gehalten wird. Nach vielen Schwierigkeiten verlassen sie am 20. Mai Europa und fahren auf die offene See hinaus.
Acht Tage später, am 28. Mai, erreichen sie St. Vincent
auf den Kapverdischen Inseln. Auf dem Weg dorthin bleiben die Maschinen mindestens zehnmal stehen.
Doch die Mannschaft bringt sie stets wieder zum laufen.

Die Charlton Monarch wird von der Jon Biscoy ins Schlepptau genommen. Am 12. Juni ankern sie vor Recife, einer Stadt mit 800 000 Einwohnern in der Provinz Pernambuco in Nordostbrasilien.
Da die Charlton Monarch  weiter manövrierunfähig ist, fliegen vom 3. bis 10. Juli jede Woche zwei Flugzeuge die Flüchtlinge von Recife nach Asuncion in Paraguay. Es werden insgesamt 17 Flüge. Schließlich haben alle 758 Passagiere die Charlton Monarch verlassen. Textquelle: Unbekannt

Aus dem Lexikon der Mennoniten in Paraguay

Charlton Monarch hieß das Schiff, das nach dem Zweiten Weltkrieg den zweiten mennonitischen Flüchtlingstransport aus Gronau nach Paraguay beförderte. Die Reiseleiterin war Frau Elfrieda Dyck. Das Schiff hatte vorher Prince David geheißen. Es war erst nach einer vollständigen Überholung und nach einem neuen Anstrich auf Charlton Monarch umgetauft worden.
Das Schiff fuhr am 16. Mai 1948 mit 753 Passagieren von Bremerhaven ab. Es musste auf dem Wege immer wieder repariert werden und hat auch Südamerika nicht aus eigener Kraft erreicht. Die letzte Tagesstrecke von Recife in Pernambuco , Brasilien, wurde es von der John Biscoe, einem französischen Forschungsschiff, das gerade von der Antarktis kam, in den Hafen geschleppt. Nach einer mehrwöchigen Wartezeit wurden die Passagiere von hier aus in Gruppen mit viermotorigen Maschinen der Linie Cruzeiro do Sul nach Asunción gebracht. Das Gepäck der Passagiere wurde von Frachtern nach Buenos Aires und von dort mit Flussdampfern bis nach  Puerto Casado am Río Paraguay gebracht.
Nach Angaben des Stewards Josey Johannsen aus Liverpool in einem Brief an den damaligen Passagier Heinrich Ratzlaff ist das Schiff nicht mehr zurück nach England gefahren. Er schreibt, die Mannschaft habe sich in alle Richtungen zerstreut und er glaube, das Schiff sei dann demontiert und verschrottet worden.
Quelle: Heinrich Ratzlaff, Loma Plata
Peter und Elfrieda Dyck: Auferstanden aus Ruinen - Als MCC-Mitarbeiter in England, den Niederlanden und unter russlandmennonitischen Umsiedlern in Deutschland. Übersetzt von Dr. Horst Gerlach 1994, S. 192-212.

Da keine ernsthaften Schwierigkeiten mehr auftreten, erreichen
alle am 20. Juli 1948 wohlbehalten Asuncion in Paraguay.